20. November 2011

Gran Fondo Miami 2011: The American Dream of Cycling

Jan Ullrichs Rennbericht von seiner ersten Teilnahme der Grand Fondo USA-Serie in Miami als Botschafter von Star Events:

Sonntag 5 Uhr morgens Miami Beach. Es ist noch tiefe Nacht. Als ich aus meinem Hotelzimmer auf den breiten Strand schaue, bin ich enttäuscht. Der Grund: Es stürmt und regnet. Na toll, da fliegt man im November extra aus dem kalten Europa nach Südflorida zum Radfahren und dann das. Egal, sage ich mir, denn immerhin sind es nachts in Miami zu dieser Jahreszeit noch angenehme 21 Grad Celsius. Mein Manager Falk und ich laden in unserem Mietwagen die Räder ein. Unglaublich, morgens um fünf sind die Straßen von South Beach noch höllisch voll. Fein gestylte Menschen ziehen um diese Uhrzeit von Club zu Club. Wir sind natürlich gestern Abend brav um 22 Uhr ins Bett gegangen. Sicherlich auch ein wenig „jetlagbedingt“.

Unterwegs auf der 20 minütigen Autofahrt zum Zielgelände des im diesen Jahr erstmals in Miami ausgerichteten Gran Fondo schüttet es nach wie vor. Der Plan: wir parken unser Auto im Zielbereich in Coconut Grove des „Socialrennens“, um im Ziel unser Auto vor Ort zu haben. Der Start liegt drei Kilometer entfernt im Zentrum des Stadtteils Coral Gables. Auf dem Weg mit dem Rad dorthin begegnen uns viele Teilnehmer. Einige erkennen mich gleich und begleiten mich wie eine Patrouille zum Start. Es regnet mittlerweile nicht mehr.

Kurz vor sieben Uhr am Start angekommen herrscht dort buntes Treiben. Fast 2000 Teilnehmer haben sich zwischen den Banden eingereiht. Die ersten Fotografen „stürmen“ die Spitze bei meiner Ankunft. Das liegt nicht nur an meiner Anwesenheit, denn kurze Zeit später nach mir, erscheint Formel Eins-Fahrer und Weltmeister Jenson Button. Was viele nicht wissen: Jenson macht sich für seine Rennen größtenteils auf dem Rennrad fit. So hat er in Miami auf dem Weg zum Grand Prix nach Brasilien einen Zwischenstopp für den Gran Fondo eingelegt. Und dieser Kerl schaut wirklich fit auf dem Bike aus.

Noch 60 Sekunden bis zum Start: Die hübsche Rennsprecherin „heizt“ uns alle nochmal so richtig ein. Unsere Ferrari-Führungsfahrzeuge lassen ihre Motoren aus Maranello aufheulen. Hier ist eben alles ein wenig spektakulärer! Der Startschuss erfolgt. Es fängt wieder leicht an zu regnen und es ist unheimlich luftfeucht. Der ersten Meilen verlaufen zick-zack im amerikanischen Block-Straßensystem durch das wirklich schöne Coral Gables. Das Tempo ist hoch, fast 40 kmh! Eigentlich hatte ich es mir ein wenig gemütlicher vorgestellt, da es bei den Grand Fondos keine Zeitmessung für die Teilnehmer gibt. Die Amerikaner nennen das hier „Social Ride“. Mittlerweile kommt die Sonne raus und der Wind wird zunehmend heftiger. Unsere italienische Fraktion namens Gilberto Simoni und Stefano Garzelli verabschieden sich auf die kleine Runde. Die wollen Urlaub in Miami machen ;-) Jeder Fahrer kann bei Anmeldung drei Distanzen wählen: 27 Meilen, 59 Meilen und 103 Meilen. Ich will die volle Distanz absolvieren.

Mittlerweile haben wir Miami verlassen. Es geht durch Südflorida an den Everglades vorbei über fast ausschließlich wunderschöne Palmenalleen. Das Tempo ist hoch und der Gegenwind nimmt weiter zu. Puuh, deutlich anstrengender als gedacht aber es macht mir richtig Spaß. Schön, wieder im Peloton zu fahren. Mein alter Mitstreiter und jetzige Star Events Manager Paco Wrolich prescht aus der Gruppe heraus. Er will zu einer Spitzengruppe aufschließen, die aus einigen südamerikanischen Teilnehmern besteht. Doch ich fahre das Loch schnell wieder zu. Der fährt mir heute nicht davon ;-)

Nach 60 Meilen und weiter starkem Wind wird das Tempo im Feld geringer. Viele Fahrer müssen der hohen Anfangsgeschwindigkeit Tribut zollen. Auch wir lassen’s ruhiger angehen und halten bei einem Drugstore. Auf der Strecke gibt es zwar viele Wasser- und Verpflegungsstationen, doch ich will bei mittlerweile schwülen 27 Grad unbedingt eine kühle Coke. Und die bekomme ich. Einfach herrlich so unterwegs!

Noch 15 Meilen bis zum Ziel und ich merke die Distanz jetzt in meinen Beinen. Doch die Umgebung lenkt nach wie vor ab, denn zum Ziel geht’s jetzt Richtung Meer und man hat atemberaubende Blicke zum karibischen Meer. Um 11:15 erreichen wir am Pan American Drive an der City Hall das Ziel. Falk (mein Manager) kommt 40 Minuten nach uns ins Ziel. Auch nicht schlecht für einen Ex-Tennisspieler. In der aufgebauten Expo riecht es hervorragend nach Italienischem Essen. Alle Teilnehmer erwartet ein reichliches Buffet: Pasta, Prosciutto, Parmesan, Pizza! Nach 100 Meilen wirklich alles was das Herz begehrt. Gegessen und angestoßen mit vielen in den letzten Tagen liebgewonnen Radfans und dem Star Events Team geht nun für mich der Fotomarathon weiter. Die Amerikaner wollen weniger Autogramme, vielmehr Fotos. Doch das mache ich natürlich gerne. Das ein oder andere Foto ist ja schon auf Twitter zu sehen. Das machen die Amis wohl gerne. Feedback an mich hat es direkt von meinem Freund Klödi aus der Schweiz gegeben ;-).

Der Grand Fondo Miami 2011 war eine richtig tolle Veranstaltung und hat mir riesig Spaß gemacht. Miami, ich komme wieder!!! Doch vorher geht’s für mich im April 2012 nach San Diego und im Juni nach Los Angeles. Die genauen Termine stehen leider noch nicht fest. Doch ich kann jedem europäischen Radsportfan diese Serie nur empfehlen. Warum seinen Urlaub mal nicht mit so einer Veranstaltung verbinden? Hier werden auf jeden Fall amerikanische (Radsport-)träume wahr!

Es grüßt Euch aus Miami Euer Jan Ullrich

Radsport-Aktiv Profi News

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